Ein Museum, junge Amseln und knorrige Eichen

Ungefähr 350 Jahre alte Stieleiche auf dem Gelände des Darß-Museums Prerow.
Ungefähr 350 Jahre alte Stieleiche auf dem Gelände des Darß-Museums Prerow.

Immer wenn es mich nach Prerow verschlägt, mache ich morgens und abends eine kleine Runde durch den Ort nebst Abstecher zum Gelände des Darß-Museums zwischen Hülsen- und Waldstraße. Die uralten, knorrigen Stieleichen, das 1939 als Wohn- und Pensionshaus erbaute, mächtige Gebäude, das liebevoll gestaltete Ambiente und nicht zuletzt die dort anzutreffenden Vögel und Schmetterlinge haben es mir irgendwie angetan. Am liebsten sitze ich auf der Bank neben der ca. 350 Jahre alten Stieleiche (Quercus robur), lausche dem Rauschen der Blätter im Wind ... dem Vogelgezwitscher. Ich muss nicht reden, nicht zuhören, nicht denken. Ich bin einfach nur da und genieße den Augenblick. Als wir vom 14. bis 24. Juni 2021 in Prerow zu Besuch waren, stand nun endlich das Darß-Museum von innen auf dem Programm. Denn obwohl ich seit 2013 regelmäßig nach Prerow fahre, habe ich es noch nie in das Museum hinein geschafft. Wirklich wahr. Doch in diesem Urlaub wollte ich mir die vielseitige naturkundliche und kulturgeschichtliche Ausstellung endlich einmal anschauen. Tja, daraus wurde leider nichts, denn das Darß-Museum ist seit Oktober 2020 aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen und wird seine Türen erst in ungefähr anderthalb Jahren wieder öffnen. Das heißt, geschlossen sind lediglich die Gebäude. Die Außenanlage drumherum ist nach wie vor frei zugänglich und es finden allerlei Veranstaltungen statt, zum Beispiel der Tag der offenen Gärten oder der Töpfermarkt (nähere Informationen siehe Link im letzten Absatz).

Der Gelbspötter (Hippolais icterina) ist von Mai bis September ein häufiger Vogel in Prerow.
Der Gelbspötter (Hippolais icterina) ist von Mai bis September ein häufiger Vogel in Prerow.

Als ich am ersten Morgen auf das Museumsgelände marschierte, wurde ich von der lautstarken Vorstellung eines Gelbspötters (Hippolais icterina) begrüßt. Sofern Gelbspötter nicht so frei auf einem Ast sitzen wie der auf dem Foto, sind sie aufgrund ihrer grünlich-gelben Gefiederfarbe nur schwer zu entdecken. Im Geäst der Bäume, im Spiel von Licht und Schatten sind sie hervorragend getarnt. Aber zu hören sind Gelbspötter quasi immer. Erst recht in Prerow, wo man sie wegen des alten, artenreichen Baumbestandes von Mitte Mai bis Mitte September häufig antrifft. Gesagt sei, dass ein Gelbspötter-Männchen nicht singt im Sinne von Melodie oder Strophen. Sein Konzert für die Angebetete und die Revierabgrenzung besteht sowohl aus eigenen Lauten als auch aus den Gesängen und Rufen anderer Vogelarten, die aneinander gereiht werden und eine Klangfolge unterschiedlichster Töne ergeben. Und weil er ein Nachahmungskünstler ist, wird er "Spötter" genannt. Denn Spötter sind Vögel, die die Gesänge und Rufe anderer Vögel nachahmen unter dem Motto "Hört her, ich kann mindestens genauso toll singen wie ihr, wenn nicht sogar besser.". Der, der mit den meisten fremden Vogelstimmen auftrumpfen kann, ist bei den Weibchen der König. Ein paar Meter weiter vernahm ich typische schrille Laute von Jungvögeln. Hm. Wo sie wohl stecken? Nach einem Moment des Innehaltens und Lauschens habe ich sie schließlich entdeckt: kleine Amseln (Turdus merula). Gut versteckt in einer Hecke saßen vier Vogelküken im napfförmigen Nest und schrien nach Regenwurm und Co.. Während sie an meinem ersten Tag noch fast nackt in die Welt schauten, hatten sie nach 7 Tagen das Nest verlassen und bettelten auf den umliegenden Bäumen und Büschen im bräunlichen Jungvogelfederkleid um Futter. Unablässig flogen die Amseleltern hin und her, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen. Nicht anders erging es einem Gartenrotschwanz-Pärchen (Phoenicurus phoenicurus), deren Nachwuchs das Nest ebenfalls bereits verlassen hatte und das Gelände erkundeten. Locker verteilt saßen die kleinen Federbündel unter den Büschen und ließen sich bedienen. Von einem landenden, prachtvollen Buchfinken-Männchen (Fringilla coelebs) fühlten sie sich allerdings derart gestört, dass sie blitzschnell in Deckung gingen.

Sie alle sind mir in den folgenden Tagen immer wieder begegnet und machten mir jede Menge Freude. Bei den Nachtfaltern, die sich tagsüber auf den Blättern der Bäume und Büsche ausruhen, dürfte sich die Freude über die vielfältige Vogelwelt am Darßmuseum allerdings in Grenzen halten, sind sie doch allesamt beliebte Beutetiere der gefiederten Gesellen. Glücklicher Weise beherrschen alle Schmetterlinge die hohe Kunst der Tarnung und sind auch von wachsamen Vogelaugen nicht so leicht zu entdecken:

An sonnigen Stellen tanzen Deegers Langfühler ihren filigranen Feentanz.
An sonnigen Stellen tanzen Deegers Langfühler ihren filigranen Feentanz.

An sonnigen, windgeschützten Stellen tanzten kleine Feen um die Wette. Winzige Schmetterlinge mit irre langen Fühlern, die stets im Schwarm aufsteigen und sich zwischendurch immer wieder auf den Blättern niederlassen. Bei den eleganten Schwarmwesen handelt es sich um Deegers Langfühler (Nemophora degeerella), die wegen der hellen Querbänderung auf den Flügeln auch Gebänderte Langhornmotte genannt werden. Im Übrigen war vor allem die Farbe Weiß angesagt: Weiße Tigermotte (Spilosoma lubricipeda), Schattenbinden-Weißspanner (Lomographa temerata), Zweifleck-Weißspanner (Lomographa bimaculata) und Weißstirn-Weißspanner (Cabera pusaria) seien stellvertretend für alle genannt und gezeigt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass auch auf dem Gelände des Darßmuseums eine weit verbreitete Unsitte herrscht, die unzählige Nachtfalter in den Tod treibt: Es brennt die ganze Nacht das Licht, und zwar nicht nur die Laternen am Weg, sondern auch die Lampen an den Gebäuden. Die nächtlich strahlende Außenbeleuchtung zieht Nachtfalter magisch an. Anstatt auf Nahrungssuche zu gehen, umflattern sie die Lichtquellen bis zur völligen Erschöpfung. Sie flattern sich entweder zu Tode, verhungern oder werden Opfer von Fledermäusen, die inzwischen gelernt haben, dass nächtliche Lichtquellen für ergiebige Beute sorgen. Die sogenannte Lichtverschmutzung, die nächtliche, dauerhafte Beleuchtung unseres Wohnumfeldes, unserer Städte und Dörfer ist neben der Naturzerstörung und dem Einsatz von Pestiziden die Hauptursache für den enormen Rückgang unserer Nachtfalter. Also, Leute, macht das Licht aus. Informiert euch über schmetterlingsfreundliche Beleuchtungsmöglichkeiten, die euer Bedürfnis nach Sicherheit befriedigen UND den zauberhaften Wesen der Nacht nicht schaden.

Ganz nebenbei entdeckte ich auf meinen Rundgängen auf einer Brachfläche noch drei Pflanzen für meine geplante Seite "Pflanzen auf dem Darß", und zwar den Echten Baldrian (Valerianae radix), das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) und den Kugeligen Lauch (Allium sphaerocephalon). Apropos Pflanzen. Alte Stieleichen wie die auf dem Gelände des Darß-Museums lassen sich in ganz Prerow bestaunen. Viele von ihnen sind als Naturdenkmal ausgewiesen und hunderte von Jahren alt, wahre Baumpersönlichkeiten, die jede Menge zu erzählen hätten, wenn sie es denn könnten. Neben den stattlichen Bäumen beeindrucken mich auch immer wieder die liebevoll arrangierten Kleinigkeiten auf dem Gelände des Museums: Blumenkränze und uralte Gerätschaften an mit Spinnenweben behangenen Holzgebäuden ... Blumensträuße in allerlei Gefäßen wie Krügen oder Eimern ... Darßer Türen ... die Bootswerkstatt und und und. Besonders schön fand ich die vielen Blumengebinde, die nach dem Tag der offenen Gärten an verschiedenen Plätze auf dem Grundstück verteilt worden waren, was wunderschöne Fotomotive ergab.

Selbstverständlich gibt es auf dem Gelände des Darß-Museums auch ohne den Tag der offenen Gärten jede Menge interessanter Dinge zu sehen. Von daher sei jedem, der in Prerow weilt, ein kleiner Spaziergang dorthin empfohlen, auch wenn man die Ausstellungen in den Innenräumen derzeit nicht besuchen kann. Informationen über Veranstaltungen finden Sie übrigens auf folgender Internetseite: Förderverein Darß-Museum.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und eine schöne Zeit.

Weitere Impressionen vom Darß-Museum in Prerow

Kommentare: 3
  • #3

    aus Sachsen (Samstag, 02 Oktober 2021 15:47)

    Ich fahre nie wieder nach Pfrerow. Es ist teuer und voll. Das Darßmuseumgelände ist schön, aber klein. Dazu noch schlechtes Wetter. Nie wieder Prerow.
    Aber ihr Artikel ist schön.

  • #2

    Voigtländer (Donnerstag, 05 August 2021 13:27)

    Es ist eine Enttäuschung, das das Museum geschlossen ist. Es wird doch überall angepriesen und erwähnt. Natürlich will man da hin wenn man in Prerow oder Zingst Urlaub macht. Man hätte das auch nach und nach ausbauen oder erneuern können. Aber nüschte. Alles dicht. Da nützen auch die hübschen Außenanlagen nichts.

  • #1

    Mimiko (Montag, 02 August 2021 14:30)

    Hallo Frau Haufe. Ich war vor Kurzem in Prerow im Urlaub und hatte vor, ins Darßmuseum zu gehen. Aber wie Sie schon schreiben ist es leider geschlossen. Ich fand es trotzdem schön dort. Die Außenanlage ist wirklich hübsch und es wurde in den Bäumen ordentlich gezwitschert. Leider kenne ich mich mit den Vögeln nciht so gut aus wie Sie, aber eine Amsel erkenne selbst ich. Danke für den schönen Blogartikel. Er ist eine schöne Erinnerung an meinen Urlaub in Prerow.
    Viele Grüße aus Lüneburg