Pilze auf dem Darß

Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis) im Darßwald.
Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis) im Darßwald.

Wer mit offenen Sinnen durch den Darßwald spaziert, dem wird sie nicht verborgen bleiben: die unglaubliche Pilzvielfalt. Ob am Boden, auf einem Kiefernzapfen, auf Totholz oder hoch in den Bäumen ... ob essbar oder nicht, mit Hut oder in anderer Gestalt als Korallen- oder Keulenpilz, unscheinbar oder überraschend farbenfroh ... bei den Pilzen kennt die Kreativität der Natur keine Grenzen. Während für mich jeder Pilz unabhängig von seinem eventuellen Speisewert ein Wunder ist, das ausgiebig bestaunt werden muss, stehen für viele Menschen jene Pilze im Vordergrund, die für Topf und Pfanne geeignet sind. Was wiederum zwei Fragen aufwirft: Erstens, welcher Pilz ist essbar und welcher nicht? Und zweitens: Darf man im Darßwald Pilze sammeln? Denn schließlich ist der Darßwald Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Also. Es verhält sich so: In den Kernzonen ist das Pilzesammeln absolut tabu. In der sogenannten Schutzzone II - der Pflege- und Entwicklungszone - ist das Sammeln einer geringen Menge für den persönlichen Bedarf erlaubt. Nachzulesen ist das auf den Internetseiten des Nationalparks (siehe Link am Ende Seite unter den Fotos). Dass das Pilzesammeln in der Schutzzone II erlaubt ist, bedeutet übrigens nicht, dass Sie kreuz und quer durchs Gelände latschen können. Streng genommen dürfen Sie nämlich nur die Pilze sammeln, die am Wegesrand stehen. Dennoch wird es zum Beispiel in den sogenannten Prerower Alpen geduldet, dass auch im Gelände Pilze gesammelt werden.

Der elegante Saitenstielige Knoblauchschwindling (Marasmius alliaceus) ist ein sehr häufiger Pilz auf dem Totholz im Darßwald.
Der elegante Saitenstielige Knoblauchschwindling (Marasmius alliaceus) ist ein sehr häufiger Pilz auf dem Totholz im Darßwald.

Ich für meinen Teil habe kein Verständnis für derartige Erlaubnisse in einem Nationalpark und finde, jeder sollte sich fragen, ob man in einem einmaligen Schutzgebiet wirklich Pilze sammeln muss oder ob man im Interesse der Natur darauf verzichtet ... Denn viele Pilze sind als Nahrung für die Tiere des Darßwaldes unabdingbar und diverse Pilzarten stehen heutzutage aufgrund ihrer Seltenheit als Art grundsätzlich unter Schutz. Ob Sie sich in einer Kernzone oder in einer Schutzzone II befinden, erfahren Sie anhand der Schilder im Gelände, durch einen Blick auf gute Wanderkarten oder auf der Internetseite des Nationalparks (siehe Link am Ende der Seite unter den Fotos). Bleibt noch die Frage danach, welcher Pilz essbar ist und welcher nicht. Dazu sei gesagt, dass ich keinerlei Angaben zur Essbarkeit der hier erwähnten und gezeigten Pilze mache. Wer von Pilzrisotto oder Steinpilzsahnesoße für ein Nudelgericht träumt, muss sich die entsprechenden Informationen über die Essbarkeit an anderer Stelle suchen (Internetseiten und Bücher über Pilze, Pilzführungen). Jeder Pilzsammler ist selbst dafür verantwortlich, welche Pilze er sammelt und verspeist. Nun aber zurück zu den faszinierenden Hauptdarstellern dieses Blogartikels, denn über Pilze lässt sich unendlich viel erzählen: Pilze sind weder Pflanze noch Tier. Pilze sind schön, lecker und gesund (wenn sie denn essbar sind). Manche werden seit Jahrtausenden als Heilpilz genutzt. Einige machen high, andere krank und wieder andere bringen Menschen ins Grab, weil sie tödlich giftig sind. Unsere Ururur...ahnen nutzten den Zunderschwamm zum Feuermachen und waren mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls vom Pilzsammelfieber zu kulinarischen Zwecken befallen. Das Sammlergen in uns kommt ja nicht von ungefähr. Pilze leben in den unterschiedlichsten Biotopen von Wäldern über Wiesen bis hin zu unseren Behausungen, wo sie in Form von Schimmelpilzen auftauchen und allerlei Ärger und Probleme verursachen.

Diese Krause Glucke (Sparassis crispa) wuchs am Fuß einer alten Waldkiefer in einem Rotbuchen-Waldkiefern-Mischwald.
Diese Krause Glucke (Sparassis crispa) wuchs am Fuß einer alten Waldkiefer in einem Rotbuchen-Waldkiefern-Mischwald.

Pilze sind quasi überall. Sogar in uns drin. Wirklich wahr. Pilze brauchen Partner - bestimmte Bäume oder Orchideen beispielsweise. Und die Partner brauchen sie. Es macht deshalb keinerlei Sinn, eine Orchidee auszugraben und in den eigenen Garten umzusiedeln. Denn dort kommen die Pilze, die die Pflanze zum Leben braucht, nicht vor, was schlichtweg ihren Tod bedeutet. Mal abgesehen davon, dass es verboten ist, geschützte Pflanzen wie Orchideen auszugraben ... aber das ist ein Thema für sich. Pilze wandeln totes Holz in fruchtbaren Boden um. Kurzum: Ohne Pilze kein Leben. Sein eigenes führt er übrigens im Verborgenen - als Myzel im Boden, im Wurzelgeflecht von Bäumen und anderen Pflanzen, in Totholz. Das, was wir sehen (und ernten) sind die Fruchtkörper, die über das Aussenden winzigster Sporen die Fortpflanzung sichern. Pilzfruchtkörper gibt es in allen erdenklichen Formen, Farben und Größen. Manche Pilze leuchten in der Nacht, zum Beispiel der Hallimasch. Die Gelbe Lohblüte, die zu den Schleimpilzen zählt, ist in der Lage, sich zu bewegen und verspeist andere Pilze. Viele Pilze sind selten und nur wenigen Menschen bekannt. Andere kennt jeder, zum Beispiel den Fliegenpilz. Der ist zwar giftig, aber dennoch ein Glückssymbol für uns und Bestandteil unzähliger Geschichten, Gedichte und Bräuche. Kein Jahreswechsel ohne Fliegenpilz! Vielleicht, weil er so außergewöhnlich hübsch ist?! Fliegenpilzen zu begegnen, ist für mich stets ein besonderes Erlebnis. In einer Zeit, in der alle anderen Farben verblassen, ist der Anblick eines Fliegenpilzes mit seinem leuchtend roten, weiß gefleckten Hut in grünem Moos oder herbstlichem Laub einfach herzerfrischend. Und dann die Pilznamen: Igelstachelbart, Duftender Schneckling, Mäuseschwanz-Rübling, Wolliger Vorhautzieher, Austernseitling, Totentrompete, Satansröhrling, Bauchwehkoralle, Samtfuß-Rübling  ... die Liste merkwürdiger Pilznamen könnte Seiten füllen.

Gelbstielige Trompetenpfifferlinge (Cantharellus tubaeformis var. lutescens) fallen im herbstlichen Darßwald kaum auf.
Gelbstielige Trompetenpfifferlinge (Cantharellus tubaeformis var. lutescens) fallen im herbstlichen Darßwald kaum auf.

Diese Bezeichnungen kommen natürlich nicht von ungefähr. Der Austernseitling heißt so, weil er wie Austern auf einer Bank wächst: übereinander, geschachtelt quasi. Die Bauchwehkoralle erklärt sich von selbst. Und die anderen ... naja, das führt hier zu weit. Wie dem auch sei. Die Welt der Pilze ist eine Welt für sich. Eine Welt, die man auf Streifzügen durch den Darßwald das ganze Jahr über erleben und bestaunen kann. Der abweichslungsreiche Wald mit seinen unterschiedlichen Biotopen sowie Baumarten bietet einer Pilzvielfalt Heimat, die wohl kaum jemand vollständig zu beschreiben vermag. Deshalb ermöglicht mein Blogartikel auch gerade mal einen klitzekleinen Einblick in die phantastische Pilzwelt des Darßwaldes. Was - ehrlich gesagt - auch daran liegt, dass ich keine Pilzfachfrau bin und viele Pilze nicht kenne. Obwohl ich im Besitz diverser Pilzliteratur bin und es hervorragende Internetseiten über Pilze gibt, gestaltet sich die Pilzbestimmung oft schwierig und ich stoße an meine Grenzen. Tja. Wie bereits geschrieben: Die Welt der Pilze ist eben eine Welt für sich. Wenn Sie als pilzinteressierter Mensch im Darßwald unterwegs sind, wünsche ich Ihnen jede Menge Entdeckungen. Egal, ob es die wunderschönen, weißlichen Buchen-Schleimrüblinge sind, die in feuchten Herbstmonaten in Massen das Totholz am Boden und in den Bäumen überziehen oder ein paar Steinpilze und Maronen am Wegesrand ... Winterpilze wie Austernseitling, Samtfuß-Rübling oder Judasohr - allesamt Holzbewohner und außergewöhnlich in Gestalt und Aussehen ... Trameten in allen Farben von weiß bis violett, die unbeschreiblich tolle Muster aufweisen und einen abgestorbenen Baumstamm in ein Kunstwerk verwandeln ... Fleischrote Gallertbecher und Violette Knorpelschichtpilze, die mit Farben auftrumpfen, die man in einem herbstlichen bzw. winterlichen Wald nicht erwartet ... und und und. Wer ganz großes Glück hat, entdeckt vielleicht auf Rotbuchentotholz sogar einen der schönsten und seltensten unserer Pilze: den Ästigen Stachelbart. Der Anblick eines alten Buchenstammes, auf dem Ästige Stachelbarte sich ein Stelldichein geben, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Anfangs schneeweiß wird der Ästige Stachelbart mit zunehmendem Alter bräunlich wie der auf dem nächsten Foto.

Der Anblick eines Ästigen Stachelbartes (Hericium coralloides) ist ein ganz besonderes Erlebnis.
Der Anblick eines Ästigen Stachelbartes (Hericium coralloides) ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Abschließend möchte ich noch was loswerden: Ich kann zwei Dinge weder leiden noch verstehen: Erstens, dass man achtlos Pilze umwirft, zertritt oder beschädigt. Jeder Pilz, ob essbar oder nicht, hat eine wichtige ökologische Funktion im Wald und ein Recht auf Leben. Es ist ein einzigartiges Lebewesen wie Sie es sind. Außerdem befinden Sie sich in einem Schutzgebiet, in dem es ausdrücklich verboten ist, irgendetwas zu beschädigen. Zweitens: Wenn man Pilze sammelt, sollte man dies mit einem Korb oder mindestens einem Leinenbeutel tun und nicht mit einer schnöden Plastiktüte. Ich empfinde es als respektlos, wenn Menschen die gesammelten Pilze in einer Plastiktüte verstauen, was übrigens auch nicht besonders gesund ist, da die Pilze im feuchtwarmen Plastiktütenklima leicht verderben und einem ganz schnell Bauchschmerzen bescheren können. Ich finde, unsere Achtung vor der Natur drückt sich auch und vor allem darin aus, dass wir mit den Geschenken des Waldes sorgsam umgehen. In diesem Sinne: Halten Sie die Regeln ein, seien Sie achtsam und zollen Sie den Lebewesen des Darßwaldes höchsten Respekt. Zum Abschluss gibt es wie immer jede Menge Fotos. Wenn Sie die Fotogalerien starten (durch Anklicken eines Fotos) erhalten Sie ein paar kurze Informationen über den gezeigten Pilz (Name, Standort, Aufnahmedatum). Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Betrachten der bunten Darßer Pilzgemeinschaft. Vielleicht helfen Ihnen die Fotos in meinem Blogartikel, den einen oder anderen Pilz zu erkennen. PS: Sollten Sie einen von mir falsch bestimmten Pilz entdecken, lassen Sie mich das bitte unbedingt wissen.

Steinpilz und Co.


Spechttintling und Co.


Austernseitling und Co.


Buchen-Schleimrübling und Co.


Farbtupfer


Und zum Schluss noch Diese und Jene ...


Informationen des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft


Neben den vorgenannten Internetseiten (Stand: Oktober 2021) habe ich für diesen Blogartikel folgende Literatur zu Rate gezogen:

Der große BLV Pilzführer für unterwegs, 1997, Ewald Gerhardt, Verlagsgesellschaft mbH München, ISBN 3-405-15147-3 und

Kosmos Naturführer, Welcher Pilz ist das?, Markus Flück, 1995, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, ISBN 3-440-06706-8.


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