Wanderungen auf Fischland, Darß, Zingst - das Fischland


Am Ostseestrand bei Wustrow.
Am Ostseestrand bei Wustrow.
Das Fischland - eine kleine Einführung

Fischland, Darß und Zingst - das sind die drei Teile jener Halbinsel, die wie ein Dreieck mit schmalen Schenkeln und der dicken Spitze Darß in die Ostsee ragt. Landschaftlich völlig unterschiedlich kommen die Gebiete daher, jedes für sich ein einzigartiges Juwel. Gemeinsam ist ihnen die geologische Geschichte, die sowohl von der letzten Eiszeit als auch den Kräften des Windes und Wassers in Form von Sandabtragungs- und -anlandungsprozessen oder Überflutungen gestaltet wurde und wird. Der Teil, den man "Fischland" nennt, beginnt am Permin (Boddenbucht vor Wustrow) und endet am Grenzgraben (Darßer Loop) am Ortseingang von Ahrenshoop.

Historische Gebäude kennzeichnen den Wustrower Ortsteil Barnstorf.
Historische Gebäude kennzeichnen den Wustrower Ortsteil Barnstorf.

In früheren Zeiten waren Permin und Darßer Loop mit der Ostsee verbunden und das Fischland kam mit dem Namen "Swante Wustrow" ("Heilige Insel") daher. Mit dem Zuschütten der Ostseeverbindungen wurde das Fischland mit dem Festland und dem Darß verbunden. Das Fischland bietet uns eine weitläufige Landschaft aus Wiesen und Feldern, durchbrochen von kleinen Wäldern und Hecken, umarmt von den Wassern der Ostsee und des Saaler Boddens - eine Landschaft, in der wir den Blick schweifen und die Seele baumeln lassen können.  An manchen Stellen ist das Fischland gerade mal 500 Meter breit, so dass es nur ein Katzensprung vom Ostseeufer zum Bodden ist. Es bedarf also keiner großen Anstrengungen, um vom Ufer der Ostsee an das des Saaler Boddens zu gelangen oder umgekehrt. Doch wenn Sie von Wustrow nach Ahrenshoop oder über den historischen Wustrower Ortsteil Barnstorf den Boddenweg entlang nach Niehagen und Althagen und noch weiter wandern, wird Ihnen dämmern, dass sich das Fischland ganz schön in die Länge zieht, denn immerhin ist es um die 5 Kilometer lang. Als Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit hat das Fischland nicht nur geologisch einiges zu bieten, sondern auch und vor allem siedlungsgeschichtlich. Nicht nur an den Ufern des Saaler Boddens zeugen diverse Funde von Feuersteinwerkzeugen nämlich davon, dass bereits die Menschen der Steinzeit vor ungefähr 9.500 Jahren das Fischland für sich entdeckt hatten.

Das Hohe Ufer bei Niehagen im November 2022.
Das Hohe Ufer bei Niehagen im November 2022.

Mit den steinzeitlichen Funden von Margarete Lettow bei Niehagen im Jahr 1898 rückte das Fischland alsbald in den archäologischen Fokus der Wissenschaft und die Steinzeit hielt Einzug in das Leben der Fischländer. Käthe Miethe, die einzigartige Fischländer Heimatdichterin, schreibt dazu in ihrem Buch "Das Fischland": "Das war die Entdeckung des Fischlandes als bedeutende Fundstätte prähistorischer Steingeräte und Waffen. Mit ihr ist unsere kleine Heimat in die archäologische Wissenschaft und Literatur eingezogen. Und was uns noch wichtiger erscheint: das Fischland bekam durch diese Funde einen neuen, interessanten Zug in seinem schon überaus farbigen und abwechslungsreichen Gesicht. Seit jenen Tagen sind wir auf dem Fischland zu der Steinzeit sozusagen in eine persönliche, unmittelbare Beziehung getreten. Wir sind mit den Leuten, die vor vielen tausend Jahren auf dem gleichen Boden hockten und ihre Werkzeuge bearbeiteten, auf dem wir nun einhergehen und uns unseres Lebens freuen, gleichsam wie man hier sagt 'in Familie gekommen'". Vielleicht ergeht es Ihnen bei Ihren Wanderungen über das Fischland ähnlich und sie fühlen sich mit den ersten Menschen des Fischlandes irgendwie verbunden. Versuchen Sie doch mal, sich die Welt der Steinzeitmenschen vorzustellen. Ich finde das total spannend und interessant. Neben der vielfältigen Siedlungsgeschichte, den typischen Boddenlandschaften, einem endlos scheinenden Ostseestrand und einigen Ortschaften hat das Fischland außerdem eine richtige Steilküste zu bieten, an deren Fuß Gesteins- und Fossiliensammler durchaus auf ihre Kosten kommen können. Allerdings nur dort, wo der Strand unterhalb des Kliffs nicht wegen der Gefahr von Abbrüchen gesperrt ist.

Rastende Weißwangengänse auf dem Fischland.
Rastende Weißwangengänse auf dem Fischland.

Das über 3 Kilometer lange Kliff ist bis zu 16 Meter hoch (in der Literatur ist auch von 17 oder 20 Metern die Rede) und trägt den treffenden Namen "Hohes Ufer", wird aber auch "Fischlandkliff" genannt. Es säumt die Ostseeküste zwischen Wustrow und Ahrenshoop, liegt also teilweise auf dem Fischland und teilweise auf dem Darß, denn das Seebad Ahrenshoop gehört bereits zum Darß. Lediglich die Ahrenshooper Ortsteile Althagen und Niehagen befinden sich auf dem Fischland. An dieser Stelle sei gesagt, dass es die Absperrungen am Hohen Ufer genauso wenig umsonst gibt wie die Rückverlegung des Hochuferwanderwegs. Das Hohe Ufer ist ständig in Bewegung und unterliegt insbesondere im Mittelteil extremen Abtragungsprozessen, die zu massiven Abrutschungen von Material führen. Ein Aufenthalt unterhalb des Kliffs ist eine gefährliche Sache und Sie sollten gut abwägen, ob ein Foto, Stein oder Fossil es wert ist, Gesundheit und Leben zu riskieren. Es gibt genügend ungefährliche Möglichkeiten, nach Steinen und Fossilien zu suchen, den geologischen Aufbau des Hohen Ufers zu bestaunen oder von oben die Aussicht zu genießen. Apropos Aussicht: Am Hohen Ufer bei Niehagen befindet sich der Bakelberg. Mit 18 Metern Höhe ist die höchste Erhebung auf der Halbinsel und Sie können von dort absolut gefahrlos eine herrliche Aussicht über das Gebiet genießen. Besonders schöne Stimmungen ergeben sich zum Beispiel im Herbst, wenn auf den umliegenden Feldern tausende Bläss-, Weißwangen- und Graugänse nach Nahrung suchen oder rasten und die Luft mit ihren Rufen erfüllen. Und überhaupt: Das Fischland ist ein Vogelland. Die Felder und Wiesen, die Boddenufer mit ihren Schilfrohrsäumen, Hecken und Wälder bieten unendlich vielen Vogelarten Brut-, Nahrungs- und Überwinterungshabitate. Aufgrund der verschiedenen Lebensräume hat auch die Flora einiges zu bieten, insbesondere die großen Bestände der Küsten-Engelwurz am Boddenufer oder den Krähenfuß-Wegerich an den Hängen des Fischlandkliffs. Sooooo. Das wars mit meiner kleinen Einführung, denn was es sonst noch zu bestaunen gibt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Machen wir uns doch einfach gemeinsam auf den Weg ...

Wanderungen über das Fischland

Wustrow und das Drumherum

Wustrow und das Drumherum

Von Niehagen zum Hohen Ufer