Amphibien und Reptilien am Darßer Ort


Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) auf einem Schilfblatt.
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) auf einem Schilfblatt.

Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) ist einer der besonderen Amphibienarten am Darßer Ort. Vielerorts sind Laubfrösche und ihre eigentümlichen nächtlichen Quakkonzerte nämlich schon lange Geschichte, denn die hübschen, nur 3 bis 5 Zentimeter kleinen Tiere benötigen strukturreiche Lebensräume und fischfreie Gewässer für ihren Laich - Bedingungen, die ihm der Darßer Ort bietet. Als Wesen mit einer wasserdurchlässigen, dünnen Haut benötigt der Laubfrosch wie alle Amphibien, zu denen neben den Fröschen auch Kröten und Molche gehören, feuchte Lebensräume, denn ihre Haut trocknet schnell aus und muss durch Schleim geschützt werden. Auch die Fortpflanzung und die Entwicklung des Nachwuchses vom Froschlaich über die Kaulquappen bis hin zum fertigen Frosch ist an Gewässer gebunden bzw. findet darin statt. Damit ist auch schon der größte Unterschied zu den Reptilien wie Schlangen und Eidechsen aufgezeigt. Sie besitzen feste, trockene Häute oder Hornschuppen, die sie vor Verdunstung schützen. Die Fortpflanzung erfolgt an Land über Eier oder Lebendgeburten. Nach heutigem Wissensstand waren es Amphibien, die als erste Lebewesen das Wasser verließen und sich gleichfalls an Land aufhielten - einer der bedeutendsten Schritte in der Geschichte des Lebens. Vor ca. 300 Millionen Jahren entstanden aus einigen Amphibienarten Reptilien, die das Land dann vollends für sich als Lebensraum eroberten. Eindrucksvollste Vertreter der Reptilien waren die Dinosaurier, die immerhin ca. 250 Millionen Jahre lang auf der Erde weilten - das muss Homo sapiens erst einmal hinbekommen (dass er es hinbekommt, daran habe ich so meine Zweifel, aber das ist ein anderes Thema). In den nachfolgenden Jahrmillionen entpuppten sich die Dinosaurier als phänomenale Anpassungskünstler. Kein Lebensraum war vor ihnen sicher - sie lebten an Land, im Wasser und in der Luft (ja, wir erinnern uns ... Flugsaurier gab es ebenfalls). T-Rex und Flugsaurier zieren unsere Landschaften nicht mehr. Geblieben sind Fossilien, die wir im Museum bestaunen können.

Sieht aus wie eine Schlange, ist aber keine - die Blindschleiche (Anguis fragilis).
Sieht aus wie eine Schlange, ist aber keine - die Blindschleiche (Anguis fragilis).

Aber ihre Nachfahren hüpfen, laufen oder schlängeln mit viel Glück am Darßer Ort über unseren Weg und sind nicht weniger interessant als ihre riesigen Urahnen. Neben dem Laubfrosch können uns in den feuchten bis nassen Bereichen Moorfrosch (Rana arvalis), Teichfrosch (Rana esculenta), Erdkröte (Bufo bufo) und Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) begegnen. In den Gewässern haben Teich- und Kammmolch (Lissotriton vulgaris und Triturus cristatus) ihr Zuhause. Die trockenen Dünenbereiche und offenen, sonnigen Flächen gehören der Waldeidechse (Zootoca vivipara) ebenso wie der Kreuzotter (Vipera berus) und Schlingnatter (Coronella austriaca). Die wunderschöne Kreuzotter kommt übrigens in verschiedenen Farbvarianten vor - von grau und braun mit typischem schwarzen Zickzackband über rötliche Exemplare bis hin zu schwarzen. Die häufigste Schlange im Gebiet ist die Ringelnatter (Natrix natrix), die meist in Gewässernähe Sonne tankend oder schwimmend im Wasser entdeckt werden kann. Hier und da kann die Blindschleiche beobachtet werden, die wie eine Schlange aussieht, aber keine ist. Blindschleichen gehören zu den Echsen. Hauptmerkmal dafür, dass die Blindschleiche zu den Echsen zählt, ist die Tatsache, dass ihre Embryonen vor ihrer Geburt winzige Anlagen von vier Gliedmaßen aufweisen. Auch ihre im Gegensatz zu Schlangen etwas behäbige Art der Fortbewegung sowie ihre beweglichen Augenlider gehören unter anderem zu diesen Merkmalen. Blindschleichen können außerdem ihren Schwanz abwerfen, wenn sie von Fressfeinden ergriffen werden, ganz genauso wie Eidechsen dies tun. Wie alle Reptilien lieben und brauchen Blindschleichen Wärme und liegen deshalb besonders gern auf  sonnenerwärmten Wegen. Aber im Gegensatz zu Ringelnattern oder Waldeidechsen bleiben sie bei Annäherung eines Menschen oft liegen und fliehen nicht blitzschnell ins nächstgelegene Versteck. Mir ist es schon oft passiert, dass ich fast auf eine Blindschleiche raufgetreten wäre, weil sie reglos mitten auf einem Waldweg lag und keine Anstalten machte, zu verschwinden. Durch ihre bräunliche Farbe sind sie zudem hervorragend getarnt und auf einem Waldweg kaum zu erkennen. Und selbst, wenn man direkt vor ihnen in die Knie geht, um sie zu fotografieren, rühren sie sich nicht vom Fleck. Was für den Fotografen ein Glück ist, bedeutet für sie leider oft den Tod. Seien Sie also aufmerksam, wenn Sie am Darßer Ort unterwegs sind.

Ringelnatter und schwarze Kreuzotter


Schwarze Farbvariante der Kreuzotter (Vipera berus).
Schwarze Farbvariante der Kreuzotter (Vipera berus).

Allen, die mit Kindern und/oder Hunden auf dem Darß unterwegs sind, sei der Rat gegeben, ihre zwei- oder vierbeinigen Begleiter gut im Auge zu behalten. Werden Kreuzottern bedroht, ergriffen oder in die Enge getrieben, beißen sie durchaus zu und ein Kreuzotternbiss ist alles andere als harmlos. Kreuzottern sind Giftschlangen! Für Kinder, kranke Erwachsene sowie Hunde kann ein Kreuzotternbiss durchaus tödlich ausgehen, zumindest aber schwerwiegende, schmerzhafte gesundheitliche Folgen haben. Dass unsere hübschen Giftschlangen alles andere als aggressiv und beißlustig sind, beweisen die überaus selten vorkommenden Bissunfälle mit Kreuzottern. Und noch eins: Aus diversen Gesprächen mit Menschen, die den Darß besuchen, weiß ich, dass die schwarzen Kreuzottern meist für ungefährliche Ringelnattern gehalten werden. So manches Kind, aber auch so mancher Erwachsener ist beim Anblick der vermeintlichen Ringelnatter versucht, das Tier zu fangen oder lässt den Hund in die Nähe der Schlange. Lassen Sie so etwas einfach sein! Selbst wenn es sich um eine Ringelnatter handeln sollte - sie steht genauso wie die Kreuzotter in ganz Deutschland unter Naturschutz, wobei die Kreuzotter den höchsten Schutzstatus genießt - egal, ob innerhalb oder außerhalb von Schutzgebieten. Außerdem befinden Sie sich in einem Nationalpark und sind dort Gast der Natur. Kein Lebewesen darf in diesem Schutzgebiet gestört oder gar gefangen werden. Betrachten Sie das Tier aus einiger Entfernung, machen Sie Fotos, erklären Sie Ihren Kindern, was sie vor sich haben. Erfreuen Sie sich einfach am Anblick der Schlangen und genießen Sie das Erlebnis. Es folgen zwei Fotos, auf denen beide Schlangen zu sehen sind. Sie werden feststellen, dass sich die Schlangen nur auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen. Wenn Ihnen eine schwarze Schlange begegnet, schauen Sie immer auf den Kopf. Die Ringelnatter hat im Nacken zwei halbmondförmige weiße bis gelbe Flecken, die von einem schwarzen Band begrenzt werden und eine gelbliche Kopfunterseite. Das sind die augenscheinlichsten Unterscheidungsmerkmale. Andere sind die Pupillen und die Augenfarbe, wie Sie auf den Fotos sehen können. Die Pupille der Ringelnatter ist groß, schwarz und rund. Die der Kreuzotter geschlitzt und die Augenfarbe ist rötlich. Die Grundfarbe der Ringelnattern ist grau - mal mehr, mal weniger dunkel bzw. hell - und nicht so tiefschwarz wie eine schwarzfarbige Kreuzotter, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick so wirkt. Die Ringelnatter kann schwache schwarze Streifen oder Punkte aufweisen. Es gibt noch einige andere Unterscheidungsmerkmale, die unterwegs jedoch nicht so schnell zu erfassen sind (Kopf- und Körperform usw.). Insbesondere dann, wenn die Schlangen schnell verschwinden und das ist fast immer der Fall.

Wer sich mit Amphibien und Reptilien überhaupt nicht auskennt oder besonders daran interessiert ist, dem sei die Rangerführung am Darßer Ort ans Herz gelegt. Sie kennen sich mit der Tierwelt dieses Gebiets am besten aus und haben unglaublich viel Interessantes zu erzählen. Wann und Wo diese stattfinden, erfahren Sie unter "Hilfreiche Links" (siehe Link am Ende der Seite).

Amphibien und Reptilien am Darßer Ort