Vögel am Darßer Ort


Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica), 16.11.2018, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern
Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica), 16.11.2018, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern

Die Vogelwelt am Darßer Ort ist unglaublich artenreich. Die vorkommenden Vogelarten könnten ein dickes Buch oder diverse Internetseiten füllen, denn über jede Art gäbe es jede Menge Wissenswertes und Interessantes zu erzählen. Wie bei den Pflanzen verhält es sich demnach auch auf dieser Seite: Es kann nur ein geringer Teil jener Vögel gezeigt werden, die Ihnen am Darßer Ort über den Weg flattern können. Der Rundwanderweg durch das Gelände eignet sich jedenfalls hervorragend zur Vogelbeobachtung. Sie werden quasi auf Schritt und Tritt den gefiederten Gesellen begegnen - im Geäst der Bäume und Büsche, im Schilf, am Wegesrand, auf den Wasserflächen, am Himmel ... Das Gezwitscher, Geschnatter, Geschrei, Sirren und Zirpsen, Krächzen und Piepen wird eine lautstarke, vielfältige Untermalung Ihres Spaziergangs abgeben. Naja, zumindest vom Frühling bis in den Herbst. Im Winter wird es etwas ruhiger. Der Darßer Ort ist übrigens nicht nur Heimat einheimischer Vögel, die ganzjährig im Gebiet weilen, sondern ebenso Rast- und Überwinterungsgebiet diverser Arten aus dem skandinavischen Raum. Das heißt, es gibt Dauerbewohner und Sommergäste, Durchzügler und Wintergäste. Alle zusammen ergeben die oben bereits erwähnte Vielfalt und machen den Darßer Ort zu jeder Jahreszeit zu einem Vogelerlebnis. All jenen, die sich für die Vogelwelt dieses Gebiets interessieren, seien die Rangerführungen vor Ort ans Herz gelegt. Denn die Ranger kennen sich viel besser aus als ich und können Ihnen im Gelände alle Vögel zeigen, die gerade so unterwegs sind, während ich nur eine kleine Auswahl präsentieren kann. Informationen über Rangerführungen am Darßer Ort finden Sie unter "Hilfreiche Links" am Ende der Seite.

Singvögel (Passeri oder auch Oscines)


Männlicher Neuntöter (Lanius collurio), 29.06.2020, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern
Männlicher Neuntöter (Lanius collurio), 29.06.2020, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern

Vögel wie der Buchfink (Fringilla coelebs) oder die Haubenmeise (Parus cristatus) können das ganze Jahr über am Rundwanderweg beobachtet werden. Während die zierliche Haubenmeise in den Zweigen der Waldkiefern und manchmal am Boden im Gewirr der Rentierflechten nach Nahrung sucht, finden sich Buchfinken gern an den Aussichtsplattformen in der Nähe der Menschen ein und hoffen dort auf eine zusätzliche Futterration. Buchfinken werden außerdem von den leuchtend roten Früchten des Wald-Geißblatts (Lonicera periclymenum) magisch angezogen. Menschen sollten übrigens tunlichst die Finger von den Geißblattbeeren lassen, denn für unsereins sind sie giftig. Andere Vögel verbringen lediglich die Zeit der Brut und Jungenaufzucht im Gebiet, zum Beispiel der Neuntöter (Lanius collurio) und die Klappergrasmücke (Sylvia curruca). Zu den Sommergästen gehört außerdem die Rauchschwalbe (Hirundo rustica), die in einem der Aussichtstürme am Libbertsee ihre kunstvollen Nester baut und über den Schilfröhrichten auf Insektenjagd geht. Raubwürger (Lanius excubitor) und Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) hingegen gehören zu den Wintergästen. Das heißt, sie halten sich nur in den Wintermonaten am Darßer Ort auf. Wie die teilweise riesigen Schwärme aus Erlen- und Birkenzeisigen (Carduelis spinus und Carduelis flammea) wandern sie aus Skandinavien an den Darßer Ort ein, um zu überwintern. Die bunten Seidenschwänze tauchen stets im Schwarm auf und unterhalten sich ständig. Das hochtönige Gesirre der vielen Vögel ist nicht zu überhören. Und sie lieben Beeren aller Art, insbesondere rote. Wo es Schneeball- oder Weißdornbeeren gibt, lohnt es sich, im Winter nach Seidenschwänzen Ausschau zu halten. Leider habe ich von den ausgesprochen schönen und farbenfrohen Vögeln kein Foto, das auf dem Darß gemacht wurde. Um sie dennoch zu zeigen, gibt es ausnahmesweise Fotos aus Berlin.

Entenvögel (Anatidae)


Reiherente (Aythya fuligula), 07.01.2019, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern.
Reiherente (Aythya fuligula), 07.01.2019, Darßer Ort/Mecklenburg-Vorpommern.

Zur Familie der Entenvögel gehören nicht nur Enten (Anatinae) wie die allseits bekannte Stockente (Anas platyrhynchos), sondern auch Schwäne (Cygnus) und Gänse (Anserinae). Schwäne sind am Darßer Ort häufig zu sehen, und zwar in zwei Arten: Höckerschwan (Cygnus olor) und Singschwan (Cygnus cygnus). Während der Höckerschwan ganzjährig anzutreffen ist und seinen Nachwuchs in den Schilfgebieten großzieht, hält sich der Singschwan als Wintergast ungefähr vom Spätherbst bis in den Vorfrühling im Gebiet auf. Der Singschwan unterscheidet sich vom Höckerschwan durch seine zierlichere, schlanke Gestalt und seinen gelben Schnabel. Außerdem fehlt ihm der charakteristische, namensgebende Höcker an der Schnabelbasis des Höckerschwans. Der Schnabel des Höckerschwans ist rötlich bis rötlichbraun. In den Wintermonaten können Sing- und Höckerschwäne oft gemeinsam auf dem Libbertsee beobachtet werden. Und falls sich jetzt jemand fragt, warum ich kein weiteres Wort über die Enten verliere: Am Darßer Ort gibt es derart viele Entenarten, dass die Aufzählung den Umfang dieser Seite sprengen würde. Stellvertretend für alle seien Reiherente (Aythya fuligula), Bergente (Aythya marila), Spießente (Anas acuta) und Krickente (Anas crecca) genannt. In den Wintermonaten halten sich die Enten meist auf der Ostsee oder anderen Wasserflächen wie den Otto- oder Libbertsee auf. Bis auf den Uferbereich an der Einfahrt zum Nothafen, sind sie - wenn überhaupt - nur mit dem Fernglas zu beobachten. Außerdem kenne ich bislang nur wenige Entenarten, das sei gesagt.

Gänse wie die Graugans (Anser anser) sind am Darßer Ort allgegenwärtig. Selbst dann, wenn man sie nicht sieht, weil sie sich im Schilf aufhalten, gibt ihr Geschrei und Gezeter Auskunft darüber, dass sie da sind. Während die Graugans in den Schilfgebieten ihre Jungen aufzieht, zählen Blässgans (Anser albifrons) und Nonnengans (Branta leucopsis) zu den Durchzüglern bzw. Wintergästen. Im Herbst stärken sich manchmal hunderte von ihnen an den Beeren der Schwarzen Krähenbeere (Empetrum nigrum). Insbesondere in den Vogelzugzeiten ist die Luft am Darßer Ort vom Rufen der verschiedenen Gänsearten erfüllt, die unablässig den Himmel über dem Darßer Ort kreuzen.

Limikolen (Charadriiformes)


Limikolen werden auch als Regenpfeiferartige oder Watvögel bezeichnet. Zu ihnen gehören sehr viele, sehr unterschiedliche Vogelfamilien und -gattungen, zum Beispiel Möwen und Seeschwalben, Schnepfenvögel, Regenpfeifer, Austernfischer und und und. Limikolen sind eine Wissenschaft für sich, das kann man nicht anders sagen und viele der am Darßer Ort vorkommenden Arten lassen das Herz eines jeden Vogelkkundigen höher schlagen. Schließlich sehen jene Menschen, die nicht an der Küsten wohnen (wie meinereine), Vögel wie Pfuhl- und Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Grün- und Rotschenkel oder Flussregenpfeifer nicht alle Tage. Viele der vorgenannten Vögel lassen sich übrigens am ehesten bei der Nahrungssuche am oder im Spülsaum bzw. den Sandbänken der Ostsee beobachten, und zwar vorzugsweise in Zeiten des Vogelzuges. Hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten bieten sich außerdem von den Aussichtsplattformen am Libbertsee.

Greifvögel (Accipitriformes)


Stellvertretend für alle Greifvögel, die man am Darßer Ort ihre Bahnen ziehen, zeige ich die imposanten Seeadler (Haliaeetus albicilla). Mit einer Flügelspannweite von ungefähr 2,5 Metern ist der Seeadler unser größter einheimischer Greifvogel, der sich am Darßer Ort relativ häufig zeigt - angestammte Brutvögel, Jungvögel aus dem Vorjahr, durchziehende Alt- und Jungvögel. Oft nimmt man insbesondere in der Balzzeit im zeitigen Frühjahr zuerst die durchdringenden, hohen Rufe der majestätischen Vögel wahr. Richtet man den Blick in den Himmel, kann man dann die wunderschönen Vögel mit ein wenig Glück bei ihren eindrucksvollen Balzflügen beobachten. Aufgrund seiner Größe und seines Flugbildes ist ein Seeadler unverwechselbar. Übrigens weisen nur ausgewachsene Seeadler das markante weiße Schwanzgefieder und den gelben Schnabel auf. Greifvogelfreunde kommen am Darßer Ort vor allem in den Vogelzugzeiten auf ihre Kosten: Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Raufußbussard (Buteo lagopus) und Wanderfalke (Falco peregrinus) ziehen zahlreich in ihre Brut- oder Überwinterungsgebiete - je nach Jahreszeit. Sperber (Accipiter nisus), Habicht (Accipiter gentilis) und Turmfalke (Falco tinnunculus) können hingegen ganzjährig am Darßer Ort angetroffen werden.