Wandern im Darßwald: In den Prerower Alpen


Blick in die Prerower Alpen von der Regenbogenstraße aus.
Blick in die Prerower Alpen von der Regenbogenstraße aus.

Der schönste Teil der Prerower Alpen befindet sich zwischen Regenbogenstraße und Leuchtturmweg, bei Prerow vom g-Gestell und Richtung Weststrand vom k-Gestell begrenzt. Es handelt sich um ein hügeliges, lichtdurchflutetes Gelände, in dem die Waldkiefer die vorherrschende Baumart ist. Das hügelige Relief ist der Tatsache zu verdanken, dass der Untergrund aus Dünen besteht. Dünen, von denen die ältesten vor ungefähr 300 Jahren von den Wassern der Ostsee und dem Wind geschaffen wurden und die teilweise außergewöhnlich hoch sind. Den Titel "Prerower Alpen" haben diesem Dünenkiefernwald übrigens die Einheimischen verliehen. In Ermangelung anderer größerer Erhebungen auf dem Darß kann man deren Sehnsucht nach ein paar Alpen durchaus nachvollziehen, finde ich. Die Dünenzüge im Darßwald werden auch "Reffe" genannt (Wer mehr über die Reffe wissen möchte, dem sei die Seite "Der Darßwald" empfohlen - siehe Link am Ende der Seite.).

Die drei alten Kiefern mit dem freigelegten Wurzelwerk am g-Gestell.
Die drei alten Kiefern mit dem freigelegten Wurzelwerk am g-Gestell.

Dass es sich tatsächlich um Dünen handelt, weiß jeder, der schon einmal von der Regenbogenstraße auf das g-Gestell abgebogen ist, denn der Weg besteht aus dem gleichen Sand wie der Strand ein paar hundert Meter weiter. Wenn man auf diesem Stück des g-Gestells den Blick nach rechts wendet (von der Regenbogenstraße kommend), endeckt man drei alte Kiefern, deren Wurzelwerk zum Teil freigelegt ist. Hier haben Wind und Wetter ganze Arbeit geleistet, denn einst waren diese Wurzeln im Untergrund verborgen. Früher waren die Dünen in den Prerower Alpen noch höher als heute. Die Waldkiefer bevorzugt die trockenen, nährstoffarmen Areale im Dünenkiefernwald. Von jungem, dicht gedrängt aufstrebendem Kiefernachwuchs bis hin zu alten, knorrigen, manchmal allein stehenden Baumpersönlichkeiten lassen sich Bäume unterschiedlichster Gestalt bestaunen. Wenn man in den Dünenkiefernwald hineinblickt, fallen einem außerdem sofort grau-grünliche, mehr oder weniger große Pflanzenteppiche auf, die teilweise in großen Flatschen den Boden bedecken. Im kalten Licht des Winters wirkt das von Weitem manchmal so, als würde es sich um Schneeflecken handeln. Tatsächlich sehen wir einen pflanzlichen Gruß aus längst vergangenen Zeiten, nämlich der letzten Eiszeit. Es handelt sich um Rentierflechten, die schon vor schlappen 10.000 Jahren den Boden der nacheiszeitlichen Tundra verzierten und die Hauptnahrungsquelle der damals noch hier lebenden Rentiere darstellten. Rentierflechten kommen im Dünenkiefernwald in mehreren Arten vor, die von Laien nicht unterschieden werden können, die Herzen von Experten aber höher schlagen lassen. Neben den Rentierflechten sowie unglaublich vielen anderen Flechten und Moosen gehören Heidelbeere, Preiselbeere, Schwarze Krähenbeere sowie Besenheide zu den typischen Bewohnern des Dünenkiefernwaldes. Heidel- und Preiselbeere unterscheiden sich nicht nur durch ihre blauen bzw. roten Früchte, sondern auch dadurch, dass die Heidelbeere ihr Laub im Herbst abwirft, während die Preiselbeere immergrün ist.

Waldbrettspiel (Pararge aegeria) an den Blüten der Besenheide (Calluna vulgaris).
Waldbrettspiel (Pararge aegeria) an den Blüten der Besenheide (Calluna vulgaris).

Besonders beeindruckend sind die Prerower Alpen, wenn ab Ende August die lilafarbenen Blüten der Besenheide mit dem blauen Himmel um die Wette strahlen. Die Besenheide, gemeinhin "Heidekraut" genannt, stellt eine wichtige und beliebte Insektenweide dar, an der sich Hummeln, Bienen und Schmetterlinge wie das Waldbrettspiel  in großer Zahl einfinden. Den Namen "Besenheide" hat ihr die Tatsache eingebracht, dass man in früheren Zeiten aus ihrem trockenen Reisig Besen band. Darüber hinaus gedeiht in den etwas feuchten, humosen Senken der Europäische Siebenstern, ein zierliches Gewächs mit jeweils einer weißen Blüte, die sieben Blütenblätter trägt. Offene Bereiche werden in der Regel von Gräsern geprägt, zum Beispiel dem Silbergras. In Richtung Leuchtturmweg teilen sich die Waldkiefern den Lebensraum mit dem Gemeinen Wacholder, einem recht pieksigen Gesellen, dessen schwarze, würzige Beeren in der Küche oder als Zutat alkoholischer Getränke Verwendung finden. An warmen, windstillen Sommertagen geht von den Wacholderbüschen ein würziger Duft aus. Erwähnt sei, dass die Waldkiefern der Prerower Alpen nicht ausnahmslos natürlichen Ursprungs sind. Viele von ihnen wurden von Menschen gesät oder gepflanzt, und zwar dort, wo sie sowieso von Natur aus über kurz oder lang aufgetaucht wären. Lediglich die ältesten Waldkiefern in den Prerower Alpen sind natürlich aufgewachsen. Sie hatten das Glück, nicht abgeholzt zu werden.

Spuren der früheren Harzung an einer Waldkiefer alten (Pinus sylvestris).
Spuren der früheren Harzung an einer alten Waldkiefer (Pinus sylvestris).

Die Wacholderbüsche sowie die von Menschenhand angesiedelten Waldkiefern legen genauso Zeugnis von der menschlichen Waldnutzung ab wie die vom Harzen vernarbten Kiefernstämme. Das fischgrätenartige Muster mit der zentralen senkrechten Tropflinie ist an den Baumstämmen deutlich sichtbar. Am Ende der Tropflinie hing ein Gefäß, das aussah wie ein Blumentopf und das ausfließende Harz aufnahm. Manchmal liegen diese Töpfe sogar noch am Fuß der Kiefern im Gras herum. Bis 1990 gewann man auf diese Weise das Harz der Kiefern, um Teer, Kolophonium und Terpentin herzustellen. Rohstoffe, die sonst nur aus dem Ausland zu beschaffen gewesen wären. Der gesamte Darßwald diente zudem als Weide für die Nutztiere, die alles fraßen - nur den Wacholder nicht. Seit der Nationalparkgründung im Jahr 1990 ist all das vorbei und der Dünenkiefernwald ist sich selbst überlassen. Naja. Okay. Genau genommen stimmt das natürlich nicht, denn schließlich darf man den Dünenkiefernwald als Besucher des Nationalparks bestaunen. Leider ist es viel zu vielen Menschen nicht genug, die Natur zu genießen und zu bestaunen. Das Gelände ist von Trampelpfaden durchzogen, die nicht etwa dort beheimateten Wildtieren herrühren, sondern von uns Zweibeinern. Hinzu kommen Müll, diverse Freiluftklos und der Missbrauch als Hundeauslaufgebiet. Insbesondere nach der Haupt- und auch Pilzsaison sind die Schäden unübersehbar. Es sieht richtig schlimm aus und ist eine Katastrophe für die dort lebende, empfindliche Flora und Fauna. Liebe Leute, ihr seid Gast im Nationalpark, der einzig und allein für die Natur und nicht für euch eingerichtet wurde. Benehmt euch doch bitte respektvoll und haltet euch an die Regeln. Das ist nicht schwer und die Voraussetzung dafür, dass dieses wunderbare Gebiet mit all seiner Vielfalt und Schönheit, seinen tierischen und pflanzlichen Bewohnern erhalten bleibt.

Klebriger Hörnling (Calocera viscosa) - nur einer von vielen Pilzen in den Prerower Alpen.
Klebriger Hörnling (Calocera viscosa) - nur einer von vielen Pilzen in den Prerower Alpen.

Und weil ich gerade am Meckern bin, noch ein Wort zum Pilzesammeln: Das Pilzesammeln (und auch das Sammeln von Beeren) ist in der Schutzzone II, in der die Prerower Alpen liegen, erlaubt. Gestattet ist das Sammeln einer geringen Menge für den persönlichen Bedarf. Dass das Pilzesammeln in einem Nationalpark erlaubt ist, kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber in der Verordnung für den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wird diese Ausnahme zugelassen. So kann man es jedenfalls auf den Internetseiten des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft nachlesen. Dennoch sollte sich jeder, der auf dem Darß weilt, fragen, ob das Pilzesammeln in einem einmaligen Schutzgebiet tatsächlich sein muss oder ob man im Interesse der Natur darauf verzichtet ... ob ein Pilzgericht es tatsächlich wert ist, ein einmaliges Biotop zu beschädigen und eventuell Pilze zu entnehmen, die oft als Art grundsätzlich unter Naturschutz stehen. Innerhalb der Kernzonen wiederum ist das Sammeln von Pilzen und Beeren sowie das Verlassen der Wege übrigens strikt verboten. Dass die Pilzvielfalt der Prerower Alpen verlockend ist, vermag ich durchaus nachzuvollziehen. Denn in einem feuchten Herbst strotzt dieser Wald nur vor den behüteten Gesellen. Nicht nur Maronen-Röhrlinge oder Kiefern-Steinpilze, sondern auch diverse Täublingsarten und Holzpilze erscheinen in allen möglichen Formen und Farben. Es ist unmöglich, sie alle aufzuführen. Erstens könnte ich eine vollständige Liste mangels Wissens gar nicht erstellen und zweitens wäre sie für diese Seite viel zu lang. Von daher möchte ich nicht weiter darauf eingehen und komme nun zu den Tieren im Dünenkiefernwald: Die unzähligen Blüten der beerentragenden Pflanzen sind Nahrung für Insekten, zum Beispiel Schmetterlinge wie das oben erwähnte Waldbrettspiel, den Admiral, den Perlglanzspanner, die Gammaeule oder den Kiefernschwärmer, für dessen Raupen die Waldkiefer die Hauptnahrungspflanze ist. Der Dünenkiefernwald ist außerdem ein Eldorado für Wildbienen, Grabwespen und Spinnen, die dort in diversen Arten leben. Außerdem trifft man relativ häufig auf Baue der Roten Waldameise, was für einen Wald spricht, der ökologisch einigermaßen in Ordnung ist. Wer sich auskennt, wird noch viele andere Ameisenarten entdecken. Wo es schattig und ein wenig feucht ist, hat die Blindschleiche ihr zu Hause, die sich in den Morgenstunden gern an den Dünenhängen und leider oft auch auf den Wegen sonnt. Also Vorsicht. Haben Sie als Radfahrer oder Fußgänger stets ein Auge auf den Boden. Neben Rot- und Rehwild können Feldhase, Dachs und Rotfuchs zwischen den Bäumen auftauchen oder den Weg kreuzen, wenn nicht allzu viele Leute unterwegs sind.

Haubenmeise (Parus cristatus) auf Nahrungssuche.
Haubenmeise (Parus cristatus) auf Nahrungssuche.

Im Herbst sind die Dünenkiefernwälder fest in der Hand der Vögel. Insbesondere jener, die aus dem nördlichen Europa auf den Darß einfliegen, um dort zu überwintern oder zu rasten, bevor sie sich auf den Weg in ihre südlichen Winterquartiere machen. Die Beeren von Heidelbeere und Co. sind begehrte Kraftnahrung und ziehen zum Beispiel Scharen von Wacholderdrosseln und Staren an. Stellvertretend für alle Brutvögel in den Prerower Alpen seien die Bachstelze, der Buchfink und vor allem die Haubenmeise sowie der Gartenrotschwanz genannt. Die Haubenmeise ist ein an Nadelwälder gebundener, äußerst hübscher Vogel, dessen Hauptnahrung die Samen von Fichten oder Kiefern sind. Außerdem braucht sie als Höhlenbrüter alte Bäume, in denen sie entweder Astlöcher oder verlassene Spechthöhlen vorfindet oder selbst Bruthöhlen zimmern kann. Im Gegensatz dazu greift der auffällig gefärbte Gartenrotschwanz nur auf bereits vorhandene Baumhöhlen zurück und zimmert nicht selbst. Im Dünenkieferwald findet der Gartenrotschwanz einen Lebensraum vor, der dem der in Skandinavien beheimateten Artgenossen gleicht - lichte, lockere Kiefernwälder mit altem Baumbestand. Gesagt sei, dass Haubenmeisen und Buchfinken ganzjährig beobachtet werden können. Gartenrotschwanz und Bachstelze hingegen weilen nur vom Frühjahr bis zum Herbst auf dem Darß und wandern dann in ihre südlichen Überwintererungsgebiete ab. Neben diversen Singvögeln können außerdem Greifvögel wie der Sperber oder der Habicht angetroffen werden, die den Dünenkiefernwald gern zur Jagd auf Vögel und kleine Säugetiere nutzen und versteckt im Geäst ansitzen. Besonders alte und hohe Waldkiefern können den Greifvögeln außerdem als Horstbaum dienen. Allerdings nur dort, wo die Vögel nicht von Zweibeinern gestört werden.

Gemeiner Augentrost (Euphrasia officinalis) im Dünenkiefernwald.
Gemeiner Augentrost (Euphrasia officinalis) im Dünenkiefernwald.

Erwähnt sei, dass sich zwischen der Prerower Seebrücke und der sogenannten Hohen Düne am Ortsausgang in Richtung Zingst ebenfalls eindrucksvolle bewaldete Dünen befinden. Gelegen zwischen Strand und Ort können diese über einen parallel zum Wald führenden Weg und die dazwischen liegenden Strandübergänge erlebt werden. Das ungefähr 2 Kilometer lange und 250 Meter breite Gebiet steht unter Geotopschutz. Die Hohe Düne ist mit 13,7 Metern der höchste Punkt der Küstendünen, der von einem Aussichtsturm gekrönt ist. Flora und Fauna gestalten sich ähnlich artenreich wie in den Prerower Alpen. Allerdings lassen sich Säugetiere aufgrund der vielen Menschen, die dort unterwegs sind, eher nicht blicken. Wenn dann nur am frühen Morgen oder in den Abendstunden, wenn es ruhiger geworden ist. Ein besonders artenreicher Dünenkiefernwald, in welchem teilweise die Entwicklung ins Laubwaldstadium bereits begonnen hat, befindet sich zwischen dem Ende des Regenbogencamps und dem Nothafen. Dem aufmerksamen Beobachter werden sich hier botanische Seltenheiten wie verschiedene Wintergrünarten und der Gemeine Augentrost zeigen. Das filigrane, auf den ersten Blick unscheinbare und seit jeher als Heilpflanze genutzte Wesen offenbart die Schönheit seiner Blüten erst beim genauen Betrachten. Außerdem kann man hier wie in jedem Dünenkiefernwald auf die Begegnung mit der wunderschönen Kreuzotter hoffen. Wenn Sie die Dünenkiefernwälder zwischen Küste und Ort besuchen, denken Sie daran, dass das Betreten der Dünen untersagt ist. Und zwar nicht nur wegen der Tiere und Pflanzen oder weil Sie sich in einem Nationalpark befinden. Dünen und Wald stellen den wichtigsten Hochwasserschutz an der Ostseeküste dar und dürfen deshalb keinesfalls beschädigt werden. Sooo. Ich hoffe, dass ich Sie ein wenig neugierig machen und Ihnen zeigen konnte, dass Dünenkiefernwälder wie die Prerower Alpen allerhand zu bieten haben. Mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Es sind besondere, einzigartige Lebensräume, in denen man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, sobald man erst einmal damit begonnen hat, näher hinzuschauen. Zum Abschluss gibt es wie immer meine Tipps und Fotos vom Wald sowie den Tieren und Pflanzen. Ich wünsche viel Freude beim Anschauen.

Meine Tipps


  • Empfohlene Wanderkarte: Rad- und Wanderkarte "Fischland, Darss, Zingst" vom Verlag "grünes herz", Maßstab 1 : 30.000.
  • Parallel zur Regenbogenstraße (Wanderwegmarkierung blau mit Vogel) verläuft ein Fußweg, der am Rand der Prerower Alpen entlangführt. Radfahren ist auf diesem Weg untersagt.
  • Ein weiterer Weg verläuft parallel zum Leuchtturmweg (Wanderwegmarkierung blau mit Leuchtturm).
  • Die Prerower Alpen lassen sich am besten zu Fuß erleben.
  • Die Wege sind aus meiner Sicht nicht mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl passierbar. Wenn überhaupt geht das nur mit geländegängigen Kinderwagen auf dem Weg, der parallel zum Leuchtturmweg verläuft.
  • Der Leuchtturmweg selbst wird von den Kutschen zum Leuchtturm am Darßer Ort befahren. Auch von der Kutsche aus hat man tolle Einblicke in den Wald. Die Kutschen halten am Beginn des Leuchtturmwegs in Prerow, unmittelbar am Bernsteinweg (aus der Waldstraße kommend auf der linken Seite  - siehe auch "Hilfreiche Links" am Ende der Seite).
  • Wenn Sie eine längere Wanderung planen, denken Sie an Proviant, Getränke und Mückenschutz.
  • Sollten Sie feststellen, dass meine Informationen nicht oder nicht mehr der Realität entsprechen, lassen Sie es mich bitte wissen. Sie können einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen oder mir eine E-Mail schreiben: Kontakt und Gästebuch.

Im Dünenkiefernwald


Pflanzen im Dünenkiefernwald


Tiere im Dünenkiefernwald