Wandern zwischen Prerow und Wieck auf dem Darß


Landschaft zwischen Prerow und Wieck - flaches Land und jede Menge Himmel.
Landschaft zwischen Prerow und Wieck - flaches Land und jede Menge Himmel.

Wer auf dem Darß abseits der Küste flaches Land und jede Menge Himmel sucht und/oder sich für die Darßer Vogelwelt interessiert, sollte sich von Prerow aus in Richtung Wieck auf den Weg machen. Und zwar nicht durch den Darßwald über das g-Gestell, sondern vorbei am Prerower Hafen. Zum Hafen gelangt man in Richtung Zingst entweder durch den Ort oder über den Deich, den man quert, wenn man zur Seebrücke möchte. Wenn Sie die L 21 überschritten haben, sind Sie schon da. Der Prerower Hafen ist klein, aber fein. Er liegt am Prerowstrom im ältesten Ortsteil Prerows: Krabbenort. Am Hafen müssen Sie rechts auf den Ostseeküstenradweg Richtung Wieck abbiegen (Ausschilderung beachten oder Wanderkarte benutzen).

Alte Kiefer am Weg zwischen Prerow und Wieck.
Alte Kiefer am Weg zwischen Prerow und Wieck.

Auch wenn der Weg "Ostseeküstenradweg" heißt: Der Weg zwischen Prerow und Wieck ist selbstverständlich nicht nur den Radfahrern vorbehalten. Er ist für Fußgänger mit und ohne Kinderwagen sowie Rollstuhlfahrer gleichermaßen geeignet. Allerdings wimmelt es insbesondere in der Hauptsaison nur so von Radfahrern, das sei gesagt. Bei sonnigem Wetter sollte man unbedingt eine Kopfbedeckung tragen und reichlich Wasser mitnehmen, denn schattige Plätze sind außerhalb der Ortschaften Mangelware. Der Weg führt durch ein weitläufiges Wiesengelände, welches von Hecken und kleinen Wäldchen durchbrochen wird. Hier und da machen eindrucksvolle Einzelbäume durch ihre von Wind und Wetter erzeugte bizarre Gestalt auf sich aufmerksam. Teilweise wird der Weg von einem Wasserlauf begleitet, an dem sich diverse Libellenarten tummeln. Wer sich für Libellen (Odonata) interessiert, diese ca. 300 Millionen Jahre alten Flugkünstler, wird es wohl nicht bis nach Wieck schaffen, sofern ihm die Artenvielfalt an den Gräben erst einmal aufgefallen ist. Groß, klein, rot, blau, gelb - über dem Wasser herrscht ein buntes Treiben, welches die Herzen aller Libellenliebhaber schneller schlagen lassen dürfte und dem fotografierenden Menschen eine riesige Portion Geduld abverlangen. Besonders im Frühjahr kann man an sonnigen Stellen auf der Uferböschung außerdem Ringelnattern (Natrix natrix) beim Sonnenbaden beobachten. Ungefähr in der Mitte des Weges liegen auf der linken Seite (von Prerow kommend) zwei kleine Seen, die von schilfbewachsenen Feuchtgebieten umgeben sind (Lychensee und Der See). Direkt am Wegesrand befinden sich zwei Aussichtsplattformen. Sie ermöglichen dem Besucher interessante Einblicke in die Vogelwelt dieser Feuchtgebiete und herrliche Ausblicke in die Umgebung bis hin zum Prerowstrom, auf dem die Boddendampfer ihre gemächlichen Bahnen ziehen. Grau- und Silberreiher (Ardea cinerea bzw. Ardea alba), verschiedene Möwen (Larinae), Kraniche (Grus grus) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) sind neben vielen anderen gefiederten Freunden regelmäßige Gäste der Feuchtgebiete.

Blick von der Aussichtsplattform am Lychensee.
Blick von der Aussichtsplattform am Lychensee.

In einer der Aussichtsplattformen nisten im Sommer Rauchschwalben (Hirundo rustica) - eine günstige Gelegenheit, diese phantastischen Flugkünstler und ihren Nachwuchs aus nächster Nähe zu bestaunen. Grundsätzlich sind alle Wiesen, Hecken und Wäldchen links und rechts des Weges wahre Vogelparadiese. Nicht nur in Zeiten des Vogelzuges, wenn morgens und abends hunderte Gänse (Anserinae) und Kiebitze (Vanellus vanellus) auf den Wiesen weilen oder das Schwirren der unendlich vielen Flügel zusammen mit den Vogelstimmen die Luft erfüllt. Limikolen (Charadriiformes), Reiher (Ardeidae), Rabenvögel wie der Kolkrabe (Corvus corax) sowie Greifvögel wie Rot- und Schwarzmilan (Milvus milvus und Milvus migrans) , Mäuse- und Raufußbussard (Buteo buteo und Buteo lagopus) und Turmfalke (Falco tinnunculus), Feld- und Heidelerchen (Alauda arvensis und Lullula arborea), Schwarz- und Braunkehlchen (Saxicola rubicola und Saxicola rubetra), Stieglitze (Carduelis carduelis) und und und - welche Vogelarten einem über den Weg flattern, hängt selbstverständlich von der Jahreszeit ab. Schmetterlingsfreunde sollten außerdem die Wegränder im Auge behalten. Dort lassen sich Seltenheiten wie der Schwarzspanner (Odezia atrata) entdecken. Ein wunderschöner kleiner, auch tagsüber aktiver Nachtfalter, der aufgrund seiner fast ausnahmslos schwarzen Flügel auch von Laien leicht bestimmt werden kann. Besonders morgens und ab dem späten Nachmittag sollte man immer wieder einen Blick auf die angrenzenden Wiesen Richtung Waldrand riskieren. Gar nicht so selten steht Rot- und Rehwild auf den Wiesen am Waldrand, während im Herbst kapitale Hirsche die Luft mit ihrem Röhren erfüllen, sich allerdings tagsüber allerdings so gut wie gar nicht zeigen. Feldhase (Lepus europaeus), Rotfuchs (Vulpes vulpes) oder gar Dachs (Meles meles) können mit viel Glück ebenfalls entdeckt werden. Kurzum, es wimmelt nur so von Leben rechts und links des Weges und es lohnt sich, zu verweilen und die Augen aufzumachen. Denen, die lieber Strecke machen wollen, sei gesagt, dass man auf diesem Weg bis nach Born und noch weiter fahren oder laufen kann. Es ist außerdem möglich, von Wieck aus über das g-Gestell im Darßwald nach Prerow zurückzukehren. Ich schaffe es jedoch meistens nicht einmal bis nach Wieck. Ganz einfach, weil es unterwegs so viel zu sehen gibt.

Sonnenaufgang an einem Novembermorgen.
Sonnenaufgang an einem Novembermorgen.

Mich ziehen übrigens nicht nur die vielen Vögel immer wieder in dieses Gebiet. Es ist auch die Weite, das Schweifenlassen des Blickes bis zum Horizont. Besonders dann, wenn am Himmel strahlend weiße oder graue Wolken ziehen und der Landschaft entweder einen sommerlich leichten oder dramatischen Ausdruck verleihen. Oder an einem Novembermorgen bei Sonnenaufgang, wenn feurige Farben im Minutentakt neue Himmel malen und hunderte Gänse und Kraniche die Luft mit ihren Rufen erfüllen. Dann erlebe ich eine verzauberte Landschaft voller Stimmungen und Leben, die mich stets aufs Neue begeistert. Allen, die es bis nach Wieck schaffen, sei ein Abstecher zum Nationalparkzentrum "Darßer Arche" im Zentrum des Ortes empfohlen. Der 2001 errichtete Bau ist einem aufgedockten Schiff nachempfunden und beherbergt neben einer Ausstellung über den Nationalpark die Tourismusinformation und ein hervorragendes Café, in welchem man sich mit Kaffee und Kuchen stärken kann. Gesagt sei, dass alle angebotenen Produkte im Café "bio" sind und einen dementsprechenden Preis haben. Neben den kulinarischen Genüssen wird in der Darßer Arche regionales Kunstgewerbe von Kleidung bis hin zu Keramik angeboten. Auch Bücher und Kalender können erworben werden, während die Tourismusinformation diverse Informationen mittels Faltblättern usw. kostenlos anbietet. Wer sich zu Fuß auf den Weg nach Wieck gemacht und keine Lust auf den Rückmarsch hat, kann sich zur L 21 begeben und dort den Bus nach Prerow besteigen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle bekommt man einen guten Eindruck von diesem typischen Darßer Ort mit seinem Nebeneinander von historischen Reetdachhäusern in Fachwerkbauweise oder mit doppelt verbretterten Wänden und vielen neugebauten Ferienunterkünften.

Rest eines alten Gehöftes in Wieck.
Rest eines alten Gehöftes in Wieck.

Wieck ist ein recht alter Ort, der bereits 1532 erwähnt wird, aber erst 1935 für den Tourismus interessant wurde. Bis dahin bevorzugten die Besucher der Halbinsel ausschließlich die an der Ostsee gelegenen Orte, zum Beispiel Ahrenshoop oder Prerow. Wer regionstypische Gebäude mag, dem sei Besuch in Wieck unbedingt empfohlen. In Boddennähe existieren noch einige um 1900 errichtete Höfe, im Ort sind typische Doppelbüdnereien erhalten (zum Beispiel Am Trommelplatz 1, Baujahr 1784). Erwähnt sei auch das niederdeutsche Hallenhaus auf dem Grundstück Nordkaten 1. Da historische Bauten nicht so wirklich mein Steckenpferd sind, möchte ich es bei diesen wenigen Informationen belassen und verweise auf entsprechende Literatur bzw. Internetangebote sowie die Tourismusinformation der Darßer Arche. Der Platz vor der Darßer Arche ist bis Ende April übrigens Treffpunkt für eine von Rangern geführte Wanderung in die Umgebung des Ortes, insbesondere an das Boddenufer. Ob und wann diese Führungen stattfinden, erfahren Sie auf den Seiten des Nationalparkamtes Vorpommersche Boddenlandschaft (siehe "Hilfreiche Links" am Ende der Seite). Ich habe diese Führung einmal mitgemacht und kann sagen, dass sich die Teilnahme absolut lohnt. Das, was ich zum Beispiel allein über die Bedeutung des Schilfrohrs für die Umwelt, für Mensch und Tier erfahren habe, war äußerst beeindruckend. Außerdem habe ich gelernt, dass sich im Schilf nicht nur der Fischotter (Lutra lutra), sondern auch ein Wesen namens "Zigarrenfliege" rumtreibt. Nicht minder interessant waren die Informationen über die Prägung der Landschaft sowie der Gewässer durch die DDR-Agrarwirtschaft. Allerdings fand ich das Ausmaß der Tierhaltung und die daraus resultierenden, bis heute andauernden Umweltschäden schlichtweg erschreckend. Erwähnt sei, dass auf dem Platz vor dem Gebäude der Darßer Arche ab Mai wöchentlich ein Markt stattfindet, auf dem regionale Bioprodukte und Kunstgewerbe angeboten wird. Egal, wofür Sie sich interessieren, die Gegend zwischen Prerow und Wieck hält viele unterschiedliche Erlebnisse und Eindrücke bereit. Sollten es Sie dorthin verschlagen, so wünsche ich Ihnen eine wunderbare Zeit.

Meine Tipps


  • Empfohlene Wanderkarte: Rad- und Wanderkarte "Fischland, Darss, Zingst" vom Verlag "grünes herz", Maßstab 1 : 30.000.
  • Am Prerower Hafen rechts auf den Ostseeradweg Richtung Wieck abbiegen (Ausschilderung beachten oder Wanderkarte benutzen).
  • Der Weg ist sowohl für Kinderwagen als auch für Rollstuhlfahrer geeignet (wird aber sehr stark von Fahrradfahrern frequentiert).
  • Von nun an können Sie laufen oder fahren, so weit Sie wollen - bis nach Wieck, Born oder noch weiter.
  • Im Sommer an eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz denken, denn schattige Plätze sind rar.
  • In den anderen Jahreszeiten kann eine Mütze durchaus von Vorteil sein, denn über die Wiesen pfeift fast immer der Wind.
  • Getränke und Proviant mitnehmen, die nächste Einkehr ist erst in Wieck möglich.
  • Von Wieck aus können Sie den Bus zurück nach Prerow nehmen, Radfahrer können über das g-Gestell im Darßwald zurückfahren.
  • Weitere Informationen finden Sie unter "Hilfreiche Links" (siehe Link am Ende der Seite).
  • Sollten Sie feststellen, dass meine Informationen nicht oder nicht mehr der Realität entsprechen, lassen Sie es mich bitte wissen. Sie können einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen oder mir eine E-Mail schreiben: Kontakt und Gästebuch.

Tiere zwischen Prerow und Wieck