Pflanzen auf Rügen: Lebensraum Düne


Stranddistel (Eryngium maritimum) auf dem Mönchgut, 21.07.2021.
Stranddistel (Eryngium maritimum) auf dem Mönchgut, 21.07.2021.

Die auf dem Foto zu sehende Stranddistel gehört zu den seltensten Pflanzen an der Ostseeküste und unterliegt strengstem Schutz. Die Strandnutzung durch den Menschen, das Ausgraben der Pflanzen für den heimischen Garten oder auch der Appetit der Wildkaninchen haben in vielen Küstengebieten dafür gesorgt, dass es dem Wanderer heutzutage kaum noch gelingt, einer Stranddistel zu begegnen. Der bevorzugte Lebensraum des wunderschönen, stachelig wirkenden Wesens ist die Weißdüne und manchmal noch das Übergangsstadium zur Graudüne.

Künstlich aufgeschüttete und mit Strandhafer bepflanzte Weißdüne bei Lobbe.
Künstlich aufgeschüttete und mit Strandhafer bepflanzte Weißdüne bei Lobbe.

Weißdüne? Graudüne? Ja. Genau. Wie bei den Stränden gibt es auch bei den Dünen unterschiedliche Typen. Neben der Weiß- und Graudüne existiert außerdem die Braundüne. Zu welchem Typ eine Düne gehört, hängt von ihrem Alter ab. Der Name der Dünen bezieht sich übrigens auf die Farbe ihres Sandes, denn der ist nur in der frischen Düne weiß. Mit zunehmendem Alter und fortschreitender pflanzlicher Besiedlung wird der Sand grau und später braun. Die Weißdüne ist die jüngste unter den Dünen, frisch vom Wind angetragen oder als Küstenschutz künstlich aufgeschüttet. Ihr Sand weist einen natürlichen Salzgehalt auf und ist deshalb der ideale Nährboden für die Stranddistel, die die im Sand enthaltenen Salze als Nahrung braucht. Nur unter den Bedingungen der Weißdüne können ihre von den Winterstürmen hinterlassenen Samen keimen und die meterlangen Pfahlwurzeln in den Boden wachsen, bis die Pflanze schließlich nach ungefähr drei Jahren zu Blüte kommt. Gesagt sei, dass der Name der Pflanze irreführend ist, denn trotz ihres Aussehens gehört sie nicht zu den Disteln, sondern zu den Doldenblütlern wie die Möhre. Neben der Stranddistel gedeihen auf der Weißdüne nur sehr wenige Pflanzen. Der allseits bekannte Gewöhnliche Strandhafer zum Beispiel, der als Befestigungs- und somit Küstenschutzmaßnahme auf von Menschenhand geschaffenen Dünen angepflanzt wird und sich auf natürlich entstandenen Dünen von selbst ansiedelt.

Wiesen-Küchenschellen (Pulsatilla pratensis) in einer Graudüne.
Wiesen-Küchenschellen (Pulsatilla pratensis) in einer Graudüne.

Mit zunehmendem Alter findet auf der Weißdüne immer mehr Boden- sowie Nährstoffbildung statt, der Salzgehalt verringert sich. Mehr Nährstoffe und weniger Salz bedeutet mehr Pflanzenvielfalt - es entsteht eine Graudüne. Ein artenreicher Lebensraum mit Sträuchern wie der eingewanderten Kartoffelrose oder Kriechweide, verschiedenen Gräsern wie dem Silbergras und Moosen oder Seltenheiten wie der Wiesen-Küchenschelle, die in vielen Bundesländern auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen steht und wie die Stranddistel unter besonderem Schutz steht. Während die Wiesen-Küchenschelle im zeitigen Frühjahr blüht, leuchten die blauen Blütenköpfe des Berg-Sandglöckchens oder die gelben Blütenähren der Echten Goldrute im Sommer. Graudünen weisen meistens einen noch lückigen Bewuchs auf und werden von Wasser und Wind immer wieder aufgerissen. Mit der Zeit schließt sich die Vegetationsdecke der Graudüne jedoch vollständig. Die Nährstoffe nehmen weiter zu und die Graudüne geht in eine Braundüne über, die über eine ständig geschlossene Vegetationsdecke verfügt und die älteste der drei Dünentypen darstellt. Jede Braundüne war also irgendwann einmal eine Weißdüne und eine Graudüne. Typische Pflanzen sind der Sanddorn, Heidekrautgewächse wie die Besenheide, Rentierflechten, Waldkiefern oder Gewöhnlicher Tüpfelfarn. Wo welche Pflanzen gedeihen, hängt von den Bedingungen innerhalb der Graudüne ab. Manche sind nur  in den feuchten Dünentälern zu finden, andere nur in den trockenen, erhöhten Arealen. Übrigens, wer meint, Dünen gäbe es nur unmittelbar am Meer, der irrt. Insbesondere Braundünen finden sich manchmal hunderte Meter weit vom Ufer entfernt und bilden über die Zeit ganz neue Lebensraumtypen aus wie den Dünenkiefernwald auf der Schaabe.

Die Strand-Platterbse (Lathyrus japonicus) lebt sowohl am Flachstrand als auch in der Weißdüne.
Die Strand-Platterbse (Lathyrus japonicus) lebt sowohl am Flachstrand als auch in der Weißdüne.

Gesagt sei, dass nicht alle von mir gezeigten Pflanzen ausschließlich einen Lebensraum bevorzugen. Manche gedeihen sowohl an Stränden als auch in Dünen. Und natürlich kann nicht jede Düne eindeutig einem bestimmten Typen zugeordnet werden, da es Übergangsstadien gibt. Auf jeden Fall aber ist jede Düne ein einzigartiger Lebensraum, der uns mehr als einen Blick wert sein sollte. Und der nicht allein wegen der dort lebenden Tiere und Pflanzen respektvoll behandelt und nicht betreten werden sollte. Denn: Viele von Ihnen werden wissen, dass an der Ostsee das Betreten der Dünen verboten ist und dieses Verbot mit Schildern deutlich und sichtbar gemacht wird. Das Betretungsverbot hat nicht nur damit zu tun, dass Dünen eine große Zahl an geschützten Pflanzen und Tieren beherbergen. Machen Sie sich bewusst, dass Dünen (und der oft daran anschließende Küstenwald) für die Ort- und Landschaften dahinter den alleinigen Schutz vor Hochwasser und Sturm darstellen. Jegliches Betreten verletzt die Bodennarbe und schafft so Angriffsflächen für Wasser und Wind, deren Ergebnis die Zerstörung der Düne ist. Ist die Düne zerstört, kann das Wasser bei Sturmfluten ungehindert die Ortschaften und Landschaften erreichen und große Schäden anrichten. Wenn Sie sich an das Verbot halten, leisten Sie also einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Natur sowie der menschlichen Bewohner Rügens. Sooo. Damit bin ich am Ende meiner kleinen Dünentypenvorstellung angekommen und hoffe, dass Sie sich nicht allzu sehr gelangweilt haben. Es folgen nun Fotos von und Informationen über diverse pflanzliche Dünenbewohner sowie Bilder von verschiedenen Dünentypen. Ich wünsche viel Freude beim Umschauen.

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Dünentypen



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